180+20

Ungeahnter Leistungszuwachs nach einem Nachtdienst sind für mich immer ein klarer Erkenntnisgewinn, die richtige Berufswahl getroffen zu haben. Übrigens eine gute Möglichkeit zu testen, welche Anstrengungen der menschliche Körper bzw. Geist imstande ist abzurufen.

Nach unserer gestrigen Bergtortur taten die Beine noch ganz schön schmerzen und so trug ich nach dem ersten Rundgang in meinem Nachtdienst eine gehörige Portion Heparinsalbe auf die betroffenen Muskelpartien und eine strammen Stützstrumpf darüber, so konnte die  nötige Regeneration stattfinden die ich dringend benötigte.

Um 6:30 Uhr beendete ich meine Schicht und hatte genau eine Stunde Zeit, um rechtzeitig auf dem Rad zu sitzen. Marcos Plan sah heute 51/2h vor, 41/2h im Bereich GA1, die letzte Stunde GA2 bis WSA. Damit war für mich klar, daß Heute wieder ein langer Arbeitstag auf mich wartete, denn nach der Tour kam noch mein Wocheneinkauf und danach der Dienstag Lauftreff mit seinen knapp 20km.

Also hieß es sein Kräfte einteilen und sich auf den ersten Radkilometern den Nachtdienst aus den Beinen schütteln. Nachdem wir Obernburg passiert hatten und in Richtung Odenwald blickten, konnten wir schon die Regenwand erahnen, die das Wetterbild der kommenden Stunden prägen sollte. Also machten wir auf dem Absatz kehrt und fuhren über Großostheim und Schaafheim in Richtung Darmstadt.

Marco zeigte wieder mal gute Wetterkenntnisse, denn bis auf ein paar Regentropfen kamen wir die nächsten Stunden trockenen Fusses über die Runden. Die Zeit verging, so sammelten sich Kilometer um Kilometer und schon tauchten die ersten Häuser Darmstadts vor uns auf. Knappe 75km hatten sich bis dahin auf meinem Garmin angesammelt und in mir reifte der Gedanke die 180km auch als Trainingsstrecke abrufen zu können. So war ich um jeden Schlenker froh, der unseren Rückweg etwas verlängerte und mich meiner Idee näher brachte.

Unseren ersten Zwischenstop legten wir dann bei einer Bäckerei in irgend einem hessischen Örtchen ein und füllten unsere angegriffenen Speicher mir süßen Backwaren und Cola. Dann ging es auf schönen Radwegen und relativ Auto armen Straßen in Richtung  Rodgau bzw. Seligenstadt. Das Wetter hielt sich konstant gut und dank der immer wieder auftauchenden Sonne stieg auch schnell die Temperatur auf über 30° Grad.

Aus diesem Anlaß legten wir in Babenhausen unseren zweiten Stop ein und mit Eistee und Cola erhöhte sich auch wieder unsere Leistungsbereitschaft. Die letzte Stunde brach an und ein Blick auf meinem Garmin zeigte mir sofort, daß Marco das Tempo in die Höhe zog. Mit Stallgeruch in der Nase lag unser Tempo jenseits der 35km/h und das nach den schon absolvierten 130km. Geile Sache dachte ich und legte mich mächtig ins Zeug. Das Gespür für irgendeine Belastung hatte ich eh schon jenseits der 100km Marke verloren.

So flogen wir die letzten Kilometer in Richtung Aschaffenburg und nach Haibach hoch wo ich Marco nach exakt 160km vor der Wohnungstür absetzte. Er lief ab da noch seine geplante Stunde und ich fuhr weiter um die 180km voll zu bekommen. Zuerst kam die Schleife nach Oberbessenbach, um ja nicht zuhause anzukommen und zu bemerken, daß doch noch ein paar Meter fehlen. Danach nahm ich die Keilberger Runde und am Ende standen 182,5km in 5:48h auf meiner Anzeige. So weit war ich bisher noch nicht gefahren. Mal sehen ob nächste Woche die 200km Marke fällt.

Ausruhen war aber Fehlanzeige, nicht einmal mein Rad bekam seine obligatorische Pflege für hinterher und steht jetzt noch mit den Staubauflagen der hessischen Landstraßen in meinem Treppenhaus. Um 15:00 Uhr saß ich im Auto und ab gings zum Wocheneinkauf der sich bis 17:00 Uhr hinzog, normale Härte würde ich sagen für einen 4-5 Personenhaushalt.

Um 17:45 Uhr stand ich schon wieder im Laufdress, denn es war ja schließlich Dienstag, an dem es den  Lautreff gibt, zudem sich Heute sogar Marcel angesagt hatte. Außerdem dabei Volkmar, Matthias, Jürgen und Werner, also keiner, der kenianischen Tempiwechsel mit kritischen Stimmen entgegenwirkt. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis aus dem anfänglichen GA1 ein schöner GA2 Lauf mit´Tendenz zum Tempodauerlauf wurde.

Unser anfängliches Tempo lag zuerst jenseits der 5:00min/km, umso höher waren unsere 42:30min für die knapp 10km einzuschätzen. Dabei wechselten sich die Fronten immer wieder ab und so kam jeder von uns in den Genuß des Windschattenlaufens. Zweimal die Kappe nass gemacht musste Heute reichen, um meinen Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Zu sehr galt es die Zeit nicht auf dem Weg liegen zu lassen und als in Höhe des Nilkeimer Parks das Tempo zu verschleppen drohte, nahm ich wieder die Führung in die Hände bzw. Füße und das Tempo lag von da an bei 4:00 -4:10min/km.

Das Ziel vor Augen hielten wir die Spannung bei und nahmen auch auf den letzten Metern nicht an Geschwindigkeit heraus, obwohl es ja nur ein lockerer Trainingslauf sein sollte. Mein Garmin zeigte eine Zeit von 1:20,05h, mehr als 5min schneller als vergangen Woche, bei der es ja auch schon schnell genug war. Die 1:20h wird diese Saison noch zu knacken sein, ob mit Nachtdienst und Radvorbelastung oder ohne wird noch die Frage sein, die es zu klären gilt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s