Mr. Pace-Maker (2)

Heute hatte ich meine Aufgabe als Tempomacher schon im Vorfeld mit Markus abgesteckt, beim Halbmarathon in Frankfurt vor zwei Wochen war die ganze Sache ja eher eine spontane Entscheidung gewesen. Da seine bisherige Bestzeit über die 10km bei knapp unter 40:00min liegt, gelaufen in Jügesheim beim letzten Durchgang der diesjährigen Winterlaufserie, hatte ich mit ihm eine Zeit unter 39:00min vereinbart. 

Um irgendwelchen Engpässen zu entkommen, setzte ich unsere Endzeit gleich bei 38:30min fest, so dass uns noch ein relativ großes Zeitpolster von 29sek blieb. Um 9:30 Uhr war Start und wie schon bekannt wurden ja heute Nacht die Uhren umgestellt, so dass uns eine Stunde wertvoller Schlaf geraubt wurde.

Trotzdem saßen Markus und ich um kurz nach 8:00 Uhr im Auto und fuhren auf für mich sehr bekannten Strassen nach Niederrodenbach. Ein Navi wäre hierbei für die Katz, weil ich diese Strecke mindestens schon 50mal gefahren bin. Schon Anfang der 90er Jahre, als es noch die 100km Läufe auf besagter Strecke gab, führte mich mein Sportlerdasein immer wieder in dieses Waldgebiet und so fand ich auch heute morgen trotz müder Augen zielsicher und ohne Umwege zum Start.

Schnell die Unterlagen besorgt und ein paar Sachen für den Main AusdauerShop ausgelegt und schon ging es zum Einlaufen auf die berühmte Runde im Hanauer Forst, auf dem schon vor über 20 Jahren die ersten deutschen Meisterschaften über die Ultradistanz von 100km ausgetragen wurden. Da liegt viel Schweiß und manches Herzblut auf dem Asphalt und die vielen zum Teil schon verwaschenen Zahlen und Markierungen sind Zeitzeugen vergangener Tage. Auch ich kann in meiner Vergangenheit auf insgesamt vier Teilnahmen beim 100er in Rodenbach mit Stolz zurückblicken.

Doch genug Retrospetkive, die Kraft gehört der Zukunft und somit galt es sich auf hier und jetzt zu konzentrieren. Mittlerweile hatten wir auch Felix und Basti getroffen und  gemeinsam spulten wir die erste Runde (3km) des bevorstehenden Wettkampfs ab, bevor wir wieder zum Parkplatz zurückliefen. Eine kleine Unaufmerksamkeit meinerseits hätte mir fast mein rechtes Außenband vom Sprunggelenk gekostet, als ich beim zurückblicken auf die Asphaltkante trat und mit meinem Fuß umknickte.

Zum Glück nur überdehnt erbrachte meine erste Diagnose und ich verdrängte den Schmerz und die leichte Ungewissheit erfolgreich in den Hinterkopf. Danach ein kurzes abwägen, wieviel Kleidung nötig sei und schon standen wir in kurzen Hosen in vorderster Front. Obwohl wenn ich recht überlege hatte Markus sich für eine lange Hose entschieden, hat aber auch gepasst.

Schnell kam der Startschuss und die Meute setzte sich zügig in Bewegung. Ich hatte mir für die ersten 2-3km eine 3:45min eingeplant gehabt, da die Strecke am Anfang leicht bergab verläuft. Die Uhr zeigte 3:41min bzw. 7:22min und Markus signalisierte mir mein Tempo etwas zu drosseln, was ich auch mit sofortiger Wirkung durchführte, so dass mein Polar nach 3km eine 11:13min anzeigte.

Danach gingen die nächsten Kilometer in 3:53min weg, so dass ich immer wieder schauen musste, dass wir unser Tempo nicht zu sehr verschleppten. Nach der Hälfte in 19:00min war ich mir aber ziemlich sicher, dass die sub39:00min schon mal im Sack waren. Wie weit es noch unter dieser Zeit bleiben konnten, lag auf den nächsten drei Kilometern, die wir zwar alle unter 4:00min liefen, aber nicht deutlich, so dass die Zeit nur leicht in Richtung 38:30min als Endzeit lief.

Doch Markus zeigte sich zu Beginn des letzten Viertels kämpferisch und wir konnten das Tempo wieder leicht steigern. Die wenigen Läufer die uns ab der Hälfte des Rennens überholt hatten, konnten wir jetzt unsererseits wieder einfangen und nachdem uns die erste Frau eingeholt hatte, liefen wir auch dieses Tempo kontrolliert mit.

Das lustige dabei war, dass die Frau auch einen Begleiter gefunden hatte, dem ich vor zwei Tagen erst neue Wettkampfschuhe verkauft habe. Klein ist die Welt. Die Meter flogen jetzt nur so dahin, obwohl es auf den letzten Meter leicht ansteigt. Der letzte Kilometer begann und ein Blick auf meine Uhr verriet mir, dass wir bei gleichbleibendem Tempo locker um die 38:45 bleiben konnten.

Doch Markus hatte sich gut erholt und begann nun selbst Druck von hinten zu machen, so dass ich erfreut das Tempo anziehen konnte. Als wir dann auf die Zielgerade einbogen, die ca. 250m lang ist, stürmte Markus zuerst an meine Seite und dann tat sich Zentimeter um Zentimeter ein Lücke auf, die sich im Ziel dann mit 2sek Abstand in Zahlen ausdrückte.

Markus überquerte die Ziellinie in exakt 38:30min und ich kam zwei Sekunden später in 38:32min ins Ziel. Aufgabe voll erfüllt, Athlet mehr als zufrieden, Herz was willst du mehr. Den letzten Kilometer sind wir nochmal um die 3:40min gelaufen, und das mit leichtem Anstieg, Respekt. Da kommt halt der Altersunterschied (>20Jahre) hervor, diese Sprinterqualitäten sind bei mir nicht mehr vorhanden, wenn sie jemals dagewesen sind.

So beinahe hätt ichs vergessen – nein Spass – Felix und Basti sind ja auch noch gelaufen und das mit neuen Bestzeiten. Felix passierte dabei sogar noch das Missgeschick, dass ihm auf dem zweiten Kilometer der Schuh aufging und er mit losem Schnürsenkel die restlichen 8km bestreiten musste. Was wäre gewesen wenn, aber das ist zu müßig, nur soviel, auch mit diesem Handicap schaffte Felix es in neuer persönlicher Bestzeit von 34:06min die Strecke zu bewältigen – Bravo und Chapeau.

Basti hat seine langwierige Verletzung, die ihm nach dem letztjährigen Marathon in Frankfurt außer Gefecht setzte, endgültig überwunden und konnte heute bei seinem ersten Wettkampf ebenfalls gleich mit einer neuen Bestzeit von 37:03min auftrumpfen. So gesehen gab es nur zufriedene Gesichter im Ziel und ich hoffe, es bleibt die ganze Saison über so.

Als nächstes stehen am Sonntag (03.04.) der Duathlon in Reinheim und die kommende Woche Donnerstags (07.04.)die 10km in Schweinheim auf der Bahn auf dem Programm, bevor mir dann zwei Tage später am Samstag (09.04.) beim 10km Lauf in Großostheim die nächste Aufgabe als Pace-Maker bevorsteht. Da lautet dann die Vorgabe sub38:00min, wie weit muss ich noch abklären.

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