Emotionen Darmstadt 5i50 (3)

Swim and Bike much fun – aber Triathlon besteht nun mal aus drei Disziplinen und finishen tut man erst nach der Ziellinie. Diese Binsenweisheit gilt für alle Sportarten, bei der man eine Strecke überwinden muss, egal ob an Land, zu Wasser oder in der Luft.

Mit dieser Erkenntnis ausgestattet, kann sich jeder Sportler in Geduld üben, wobei ich zugeben muss, daß Geduld bei einer Olympischen Distanz eher Fehl am Platz ist, denn auf Grund der kurzen Strecken jagt man nur die Zeit und sich natürlich hinterher.

Mir erging es heute nicht viel anders. Nach dem Schwimmen ging mein erster Blick zur Uhr und auf dem Rad hatte ich nur den Tacho im Visier und wollte auf keinen Fall die 37,0km/h unterschreiten. So fühlte sich dann auch mein Körper an, als ich kurz vor der zweiten Wechselzone vom Rad steigen musste.

Stark erhitzt suchte ich nach Orientierung und freundliche Ordner zeigten mir mit ruhigem Ton, wo ich mein Rad hinstellen musste. Dann lief ich – würde ich gerne mal sehen wie ich da aussehe – in die Richtung, die man mir anzeigte und kam zu einem großen Haufen roter Wechselbeutel, in die ich vor knapp 3h hoffentlich alles nötige für den abschließenden Lauf hinein gesteckt hatte.

Den Beutel musste man selbst vom Boden aufnehmen und dann in ein Zelt vor laufen. Dort fand dann der eigentliche Wechsel statt – Ironman Frankfurt lässt grüßen. Zumindest hatte ich eine nette Begleitung, die mir meine Laufschuhe aus dem Beutel anreichte und die Radsachen darin verpackte.

Alles lief reibungslos, bis auf dass sich mein linker kleiner Fußzeh ständig in so einen Gummizug verfing, der in den Saucony A Tye eingearbeitet ist. Ich hätte ihn fast ausgerenkt, den Zeh natürlich, aber mit einem letzten Kraftakt – unterstützt durch eine verbale Entgleisung, die mir hoffentlich niemand krumm genommen hat – konnte ich mich endlich auf die Reise machen.

In Heilbronn kam ich nach dem Rad ja sehr gut in die Gänge und konnte anfangs die Kilometer unter 4:10min laufen. Doch heute wollten meine Beine überhaupt kein Tempo aufnehmen. Bis zur ersten Verpflegungsstelle lief es noch recht flüssig, die kam aber auch schon nach 100m (lach).

Danach kam erst mal so ein richtiger Tiefpunkt. Heißer Asphalt in Kombination mit einer Steigung ließen meinen Puls auf 185bpm hoch schnellen und das merkten meine Beine sofort. Dazu kam noch, dass sich plötzlich Seitenstiche bemerkbar machten und das auch noch links wie rechts.

Keine Ahnung, wie lange ich damit schon keine Probleme mehr hatte. Vieleicht lag es an meinem hohen Puls und der zu flachen Atmung den Anstieg hoch oder an der Hitze und dem hohen Flüssigkeitsverlust – war nähmlich echt heiß geworden und das erste mal in diesem Jahr war mir auf dem Rad der Schweis aus dem Helm geflossen.

Egal – auf alle Fälle förderte es nicht meine Geschwindigkeit und da keine Kilometerschilder aufsgestellt waren, kam ich mir gefühlte 6-7min/km schnell vor. Nach knapp einem Kilometer – gefühlt natürlich – hörte ich schnelle, harte Schritte hinter mir und wer anders als Maxi hätte es sein können, der mich jetzt mit seinen sieben Meilen Schritten in den Senkel stellte.

Ich hatte keine Chance, mich in seinen Windschatten zu hängen. In Heilbronn hätte ich es versuchen können, aber heute hätte ich eine volle Explosion riskiert. So zügelte ich mich und versuchte mein Seitenstechen weg zu atmen, was nicht so einfach war.

Vier Runden waren zu absolvieren und die Hitze machte mir echt zu schaffen. Die Wasserbecher, die ich mir über den Kopf schüttete, brachten nur mäßige Abhilfe, da das Wasser Badezimmertemperaturen hatte. Man merkte nur, dass etwas nach unten floss, es hätte auch etwas anderes sein können.

Durch zwei Wendepunkte kam mir wenigsten Maxi immer wieder entgegen und half mich aufzumuntern. Außerdem konnte ich so einigermaßen abschätzen wie schnell bzw. langsam ich unterwegs war. In der zweiten Runde hatte ich sogar das Gefühl, der Bauch würde sich total verkrampfen und rechnete schon mit dem schlimmsten – Gehpassagen.

Doch in der dritten Runde fand ich endlich zu einer Art von Rhythmus und konnte einen weiteren Einbruch verhindern. Den anderen Teilnehmern ging es nicht viel anders, denn mehr als 2 Läufer hatten mich nicht überholt. War aber auch schwer einzuschätzen, wer wie wo läuft, denn durch den Jagdstart am Anfang hatte man eh sein eigenes Rennen.

In der vierten Runde war ich vom Bauch her wieder ok, aber es machten sich langsam leichte Kreislaufprobleme bemerkbar – die Hitze forderte eben ihren Tribut  und mein Nachtdienst kam jetzt auch wieder zum Vorschein.

Ich kam dann doch noch irgendwann auf die Zielgerade und hatte meinen ersten Finish auf der Olympischen Distanz vor Augen. Kein Sprint, kein Jubelschrei sondern einfach nur Erleichterung waren meine ersten Reaktionen, als ich nach 2:21,17h als 29.Gesamt und 6.Ak45 die Ziellinie überschritt.

Für die abschließenden 10km hatte ich noch 46:33min benötigt, aber die Wechselzeit ist da wohl mit gerechnet. Danach war erst einmal Trinken angesagt. Man glaubts mir kaum, aber ich habe in den ersten 15min drei Bier nach unten befördert – alkoholfrei natürlich – denn die Heimfahrt stand ja noch bevor.

Viel Cola half dann auch den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen und nach einigen Minuten war ich wieder Herr der Lage. Mit Markus 2(:18h)  und Felix (2:17h) genoss ich alles was die Verpflegungszone hergab und nach knapp einer Stunde waren die Speicher wieder so hergestellt, dass ich auf der Heimfahrt keinen Hungerast riskieren musste.

 

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