220km + Regen

„Braucht man das“ – hat mich meine Frau heute Morgen um 7:00 Uhr am Frühstückstisch gefragt und bekam als Antwort – „man braucht es nicht, ich aber schon“. Wie schon im vergangenen Jahr wollte ich auch in diesem Jahr eine längere Radeinheit (200km+) absolvieren. Einmal hatten Bischi und ich unsere Einheit schon geplant gehabt, aber aus irgendwelchen Gründen auch immer wurde nichts draus.

 Mit der Wetterprognose der vergangenen Tage, rechnete ich heute mit einem strahlend schönen Tag mit sehr viel Sonnenschein und so machte ich Bischi ganz scharf auf diese Einheit. Schnell war er angefixt und überlegte sich eine sehr schöne Runde ins Hessische Flachland mit einem steileren Finale über Eschau.

Um 8:15 Uhr war Abfahrt am „Alex“ und das hieß schon vor 7:00 Uhr raus aus dem Bett. Es gab ein normales Frühstück – hab ja genug Speck – und danach bereitete ich meinen blauen Renner so vor, als ob ich in einem Ironmanrennen starten würde. Na ja 200km plus sind ja auch eine lange Strecke und da muss man sich auf alles vorbereiten.

Zum Glück gabs keine Plattfüsse oder sonstige Deffekte und wir konnten uns ganz aufs „Rennen“ konzentrieren. Zuerst gings Richtung Babenhausen und danach auf einen kleinen Abstecher nach Rodgau, wo heute ein eigener Triathlon stattfand. Glückwunsch an Steffi, Hansi und Marco die als Staffel einen Sieg verbuchen konnten.

Nach einer Runde auf der Strecke nahmen wir wieder Kurs auf unser Ziel, denn das hieß heute ja 200kmplus. Doch was uns gar nicht gefiel war das Wetter, das zunehmend nach Regen aussah und dicke Wolken kamen vor allem aus der Richtung, die wir als unsere Ziel ausgedacht hatten. Kaum die Befürchtung laut ausgesprochen, fing es auch schon zu regnen an.

7h im Regen  – nicht schon wieder – na wenigstens war es heute nicht so kalt wie in Frankfurt und es gab ja noch die Möglichkeit einer heißen Tasse Kaffee – MC Donald lässt grüßen. Der Himmel über Frankfurt wurde immer dunkler und man konnte förmlich die Wassermassen spüren die sich am Himmel über uns zusammen brauten.

Linke Hand sah es zumindest für die nächsten Kilometer etwas besser aus und so änderten wir unsere Runde ganz spontan und nahmen das Main Viereck ins Visier. An sich nur knapp 150km lang, aber mit unserer Vorleistung rechneten wir uns mindestens 215km aus – alles klar, ich war einverstanden.

Doch wir hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht und egal wie schnell wir auch gefahren wären, die Front hätte uns doch erwischt. Aber mit Hagelkörner hatten wir beide nicht gerechnet und die tun weh, wenn du mit 45km/h über den Asphalt bretterst. Weit und breit kein Unterstand in Sicht und die nächste Ortschaft ließ auf sich warten.

Total durchweicht eilten wir im nächsten Ort zur ersten Tanke und stellten unsere Bikes erst mal ins Trockene. Die Pause nutzen wir gleichzeitig um uns etwas leichter zu machen und füllten zudem unsere leeren Flaschen auf. Der Guss war heftig aber kurz und so konnten wir bald unser Training wieder aufnehmen. Die nächsten Kilometer verliefen trocken – von oben zumindest – denn die Pfützen taten ihr übriges, um uns bei Laune zu halten.

Bei Obernburg ging es dann auf gewohnten Pfaden, die einem um das bekannte Main Viereck bringen. Einziger Unterschied zu sonst – der Tacho hatte schon fast 100km auf der Habenseite. Der Regen meinte es gut mit uns und blieb treu an unserer Seite. Immer wieder tröpfelte es und mit der entsprechenden Geschwindigkeit reichte dies aus, das Nässegefühl beizubehalten.

In Miltenberg dann erstes Carboloading und weiter ging es in Richtung Wertheim mit gleichbleibenden Bedingungen – wenigsten windstill und die Temperaturen waren auch im Bereich des erträglichen. Kurz vor Marktheidenfeld nahm der Regen wieder Fahrt auf und wir retteten uns in letzter Minute ins Cafe unseres Vertrauens, wo Kuchen und – nein kein Kaffee – sondern Wasser, Cola und Eistee in unseren Besitz übergingen.

Der Regen war jetzt richtig stark und es dauerte einige Minuten, bevor wir unsere Fahrt wieder aufnehmen konnten und jetzt war es zum ersten Mal kalt und klamm und  ich war froh, dass es die nächsten 14 Kilometer nur bergauf verliefen. Wir wählten als Route nämlich die Strecke über Echterspfahl und die führt immerhin über die höchste Erhebung des Spessarts.

Im Anstieg kam dann endlich die Belohnung für unsere Standhaftigkeit. Nachdem wir die ersten Meter noch mit viel Wasser um uns herum fahren mussten, kam nach ungefähr der Hälfte ganz unerwartet die Sonne zum Vorschein und verwöhnte unsere doch arg geprüften Nervenstränge mit wohl tuender Wärme. So ermutigt bliesen wir zum Angriff und nahmen die letzten Kilometer unter die Hufe.

Bei dieser Unterstützung machte dann auch die lange Abfahrt über Hessenthal so richtig Spass und in Haibach angekommen sah man fast keine Wolke mehr am Himmel. Zuhause zählte mein Garmin 220km bei Tempo 33,0km/h – bisher längste gefahrene Einheit – bisher. 

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