Regenschlacht mit neuer Bestzeit

Eine hohe Quote wird man in keinem Wettbüro finden, wenn man auf die Wetterbedingungen beim Hypo Citylauf Aschaffenburg setzten möchte. Zu oft schon hat man das gleiche Szenario erleben können. Ein schon recht heißer Vormittag lässt die ersten sechs Läufe – allesamt von Schülern und Jugendlichen besetzt – im Trockenen vorbei gehen und spätestens ab dem ersten Lauf für Erwachsene, ziehen bedrohliche Fronten  auf.

Die versprechen dann den Läufern die ersehnte Abkühlung, aber für die Zuschauer und Organisation bedeutet dies doch ein mehr an Aufwand und Belastung und für die schnellen Läufer, die am Ende der Veranstaltung als letzte Gruppe starten müssen, heißt es dann mir Vorsicht auf dem nassen Asphalt, denn die Strecke weißt doch einige enge Kurven auf, die es insgesamt fünf mal zu absolvieren gilt. 

Gestern fand die 17. Austragung statt und Günter Guderley- mittlerweile im wohlverdienten Ruhestand – hatte wieder eine erstklassige Veranstaltung auf die Beine gestellt, die schon mit ihren 2600 Anmeldungen in den Schülerläufen ein sehr großes Teilnehmerfeld hatte.

Damit nicht genug folgten im D und C Lauf knapp 2000 Männer und Frauen und damit ist der Kurs am Limit, denn schon hier kamen die Führenden in der zweiten Runde von hinten auf die langsameren Läufer und begannen mit den Überholmanövern.

Mittlerweile hatte sich das Regenwetter eingestellt und verwöhnte die Zuschauer und Sportler mit kühleren Temperaturen, was für viele die bessere Alternative bedeutete. Der vorletzte Lauf mit den schnellen Frauen und ambitionierten Läufern war mit 400 Teilnmehmern schon überschaubarer. Die Gewitterfront hatte zum Glück einen großen Bogen um die Stadt gezogen, so dass ein Abbruch nie in Frage kam. Trotzdem war der Asphalt jetzt ziemlich glatt und der ganze schnelle Lauf mit den Profis aus Afrika und Osteuropa sollte ja noch kommen.

Die Luft war gut war für beste Zeiten, aber konnten die schnellen Beine auch die Geschwindigkeit auf den Boden bringen. Die Bestzeit – schon vor 11 Jahren von Richard Mutai (Ken) aufgestellt – lag bei sehr guten 21:54 und bisher waren alle Versuche diese Zeit zu knacken an den widrigen Bedingungen oder taktischen Geplänkel gescheitert.

Doch heute sollte es anders kommen und der Favourit , Jacob Kendagor (Ken), im Vorfeld hoch gehandelt, nahm vom ersten Meter an das Heft in die Hand und ließ nie einen Zweifel aufkommen, wer der Chef im Ring bzw. Feld der schnellen Läufer ist. Scon am Ende der ersten Runde kam er alleine in Führung liegend bei den Zuschauern vorbei und hatte das kleine Feld der Eliteläufer aus Afrika gesprengt.

Mit Blick auf die Uhr war er immer voll im Bilde und man konnte förmlich spüren, dass er die alte Bestmarke im Hinterkopf hatte und diese unbedingt verbessern wollte. Die Führungsfahrzeuge – alles versierte Radfahrer – benötigten volle Konzentration, wollten sie nicht von dem schnellen Kenianer überholt werden.

Der Abstand wuchs und spätestens nach der dritten Runde konnte man sehen, dass heute eine neue Bestzeit im Bereich des möglichen lag. In der vierten Runde erfolgte dann das erste mal kein Blick mehr auf die Uhr. Ab hier lief Kacob Kendagor nur noch nach Gefühl oder besser gesag was noch ging nach diesem Höllenritt über den immer noch nassen Asphalt.

Am Ende der letzten Runde waren alle Zuschauer wie elektrisiert und bewunderten den immer noch eleganten und raumgreifenden Schritt des „schwarzen Mannes“ , der die nach ihm kommenden Läufer regelrecht deklassierte. Mit großem Vorsprung ging er auf die letzten 400m und nach unserer Hochrechnung fiel der Streckenrekord, was sich am Ende auch als richtige Prognose herausstellte.

Die 21:49min für die 7,9km in den engen nassen Strassen von Aschaffenburg bedeuten jeden Kilometer in 2:45min gelaufen. Damit läuft man über 10 Kilometer eine 27:30min – nur mal so als Vergleich – und das noch im Alleingang, lässt man die zwei Radfahrer außer Acht – der helle bzw. dunkle Wahnsinn. Dass dahinter ebenfalls herv0rragende Leistungen abgeliefert wurden, sowohl bei den Eliteläufern, als auch bei den Einheimischen und den Besten aus Unterfranken steht außer Frage, aber der Fokus galt zuerst dem Spitzenmann, der sich mit einem bescheidenen Lächeln empfahl.

Die Frauen hatten ein ähnliches Aufgebot an Spitzenläuferinnen zu bieten wie die Männer und auch hier hätte der Streckenrekord fallen können. Ein kleines Novum gab es auch , denn das kleine Elitefeld wurde ca. 3min vor dem Männerfeld ins Rennen geschickt, so dass die kleineren Läuferinnen aus den afrikanischen Ländern beim Überrunden keine Schwierigkeiten haben sollten.

Hier hielt sich zunächst eine kleinere Gruppe in Führung, die die ersten Runden gemeinsam absolvierten, bevor sich die spätere Siegerin Fate Tola (Ath) entscheidend absetzen konnte und nach 24:48min das Ziel erreichte. Damit verpasste sie die ebenfalls 11 Jahre alte Bestzeit von Caroline Kwambai (Ken) um 25sec.

Eine tolle Veranstaltung mit starken Leistungen in allen Wertungen und Altersklassen, ein neuer Streckenrekord bei den Männern, eine Zusage von höchster Instanz für einen weiteren Hypo City Lauf im kommenden Jahr – man sah nur lachenden und strahlende Gesichter und das, obwohl es am Ende wieder zu einer „Regenschlacht“ geworden war. Der Hypo City Lauf ist sich eben treu und das in allen Belangen. 

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